Prokop verbindet Claude Code und Codex in einem Workspace
Das lokale Open-Source-Werkzeug gibt Coding-Agenten ein gemeinsames, projektübergreifendes Gedächtnis für wiederkehrendes Wissen und Fähigkeiten.

Mit Prokop ist am 13. Oktober 2026 ein Open-Source-Werkzeug erschienen, das Claude Code und Codex in einem gemeinsamen Workspace zusammenführt. Der entscheidende Zusatz: Die darin eingerichteten Agenten sollen ihre Erinnerungen und Fähigkeiten auch beim Wechsel zwischen Projekten behalten. Prokop läuft dabei auf dem eigenen Rechner.
Das ist keine weitere Modellveröffentlichung und auch kein Ersatz für die beiden Coding-Agenten. Prokop setzt eine Ebene darüber an. Das Werkzeug organisiert, wo Agenten arbeiten und welches bereits aufgebaute Wissen ihnen erneut zur Verfügung steht. Für Entwickler:innen, die Claude Code und Codex bislang als getrennte Werkzeuge verwenden, entsteht dadurch eine gemeinsame Arbeitsumgebung statt zweier voneinander isolierter Sitzungen.
Ein Workspace statt getrennter Agentensitzungen
Claude Code und Codex können beide Quellcode untersuchen, Änderungen vorbereiten und Entwicklungsaufgaben bearbeiten. Werden sie unabhängig voneinander geöffnet, beginnt ihre Arbeit jedoch jeweils mit dem Kontext, der in der aktuellen Sitzung verfügbar ist: Repository, Anweisungen, relevante Dateien und die Beschreibung der gewünschten Änderung.
Prokop bündelt beide Werkzeuge in einem Workspace. Das bedeutet nicht, dass beide Modelle gleichzeitig denselben Text erzeugen oder zu einem einzigen Agenten werden. Die Verbindung liegt in ihrer Umgebung: Agenten arbeiten am selben Projektbestand und können auf ein Gedächtnis sowie wiederverwendbare Fähigkeiten zurückgreifen, die nicht an nur eine einzelne Unterhaltung gebunden sind.
Damit wird ein gezielter Werkzeugwechsel sinnvoll. Claude Code kann beispielsweise eine größere Codebasis untersuchen und wichtige Zusammenhänge festhalten. Codex kann anschließend eine klar abgegrenzte Änderung in demselben Arbeitsraum bearbeiten. Der Nutzen entsteht aus dem erhaltenen Kontext, nicht aus einer behaupteten Rangfolge zwischen den Agenten.
Erinnerungen bleiben über Projekte hinweg nutzbar
Das auffälligste Merkmal von Prokop ist das projektübergreifende Gedächtnis. Gemeint ist Wissen, das ein Agent bei späteren Aufgaben erneut verwenden kann, statt es ausschließlich aus dem jeweils geöffneten Repository oder einem neuen Prompt abzuleiten.
Dafür eignen sich vor allem langlebige Informationen: bevorzugte Strukturmuster, wiederkehrende Benennungen, typische Prüfkommandos oder die Art, wie technische Entscheidungen dokumentiert werden. Auch Wissen über zusammengehörige Projekte kann relevant sein. Wer etwa eine Anwendung und eine separate Bibliothek betreut, kann einem Agenten die Beziehung beider Codebasen zugänglich halten, obwohl die konkrete Aufgabe jeweils nur eines der Repositories betrifft.
Dieses Gedächtnis sollte nicht mit dem Quellcode selbst verwechselt werden. Der aktuelle Code bleibt die maßgebliche Grundlage für konkrete Änderungen. Gespeicherte Erinnerungen liefern ergänzenden Kontext: Sie helfen dem Agenten zu verstehen, warum ein Projekt bestimmte Muster verwendet oder welche Konventionen bei ähnlichen Aufgaben bereits funktioniert haben.
Fähigkeiten werden zu wiederverwendbaren Bausteinen
Neben Erinnerungen nennt Prokop Fähigkeiten, die Agenten über Projektgrenzen hinweg behalten. Eine Fähigkeit beschreibt dabei eine wiederholt nutzbare Art, eine Aufgabe zu bearbeiten. Sie ist allgemeiner als eine einzelne Änderung und konkreter als ein freier Hinweis im Chat.
Ein Beispiel ist die Untersuchung eines unbekannten Moduls. Eine entsprechende Fähigkeit kann den Agenten darauf ausrichten, zuerst Einstiegspunkte, Abhängigkeiten und Tests zu erfassen, bevor er Änderungen vorschlägt. Dieselbe Technik ist in mehreren Repositories brauchbar, obwohl Dateien und Programmiersprachen wechseln können.
Weitere sinnvolle Fähigkeiten betreffen das Verfassen von Änderungsbeschreibungen, das Ableiten passender Tests oder das Aktualisieren technischer Dokumentation nach einer Codeänderung. Der Vorteil liegt in der Wiederverwendung: Die gewünschte Vorgehensweise muss nicht in jeder Sitzung vollständig neu formuliert werden. Gleichzeitig bleibt die konkrete Ausführung an das aktuell geöffnete Projekt gebunden.
Ein Repository mit beiden Agenten bearbeiten
Ein konkreter Einsatz beginnt mit einem bestehenden Repository, dessen Architektur noch nicht vollständig bekannt ist. Ein Agent kann zunächst die zentralen Module, Schnittstellen und Testbereiche erfassen. Die dabei gewonnenen Zusammenhänge werden als Projektwissen im gemeinsamen Arbeitsraum nutzbar.
Anschließend lässt sich eine abgegrenzte Aufgabe an den zweiten Agenten übergeben, etwa die Anpassung einer vorhandenen Schnittstelle. Dieser startet nicht völlig ohne Orientierung: Er arbeitet im selben Workspace und kann das zuvor erhaltene Wissen berücksichtigen. Dennoch liest er die betroffenen Dateien selbst, weil gespeicherter Kontext keine aktuelle Codeanalyse ersetzt.
Besonders nützlich ist dieses Muster bei Aufgaben, die unterschiedliche Stärken verlangen. Eine breite Erkundung der Codebasis und eine eng umrissene Bearbeitung müssen nicht demselben Agenten zugewiesen werden. Prokop hält die Umgebung zusammen, während die Auswahl des Werkzeugs an der jeweiligen Aufgabe ausgerichtet werden kann.
Mehrere Projekte mit gemeinsamen Konventionen betreuen
Der projektübergreifende Ansatz wird interessant, sobald mehrere Repositories ähnliche Regeln teilen. Das kann eine Gruppe interner Bibliotheken sein, eine Anwendung mit getrenntem Backend und Frontend oder eine Sammlung kleiner Dienste mit einheitlichen Schnittstellenkonventionen.
In solchen Konstellationen wiederholen sich viele Erläuterungen. Fehler werden auf eine ähnliche Weise behandelt, Tests folgen vergleichbaren Mustern und Dokumentation besitzt eine gemeinsame Struktur. Ohne eine übergreifende Gedächtnisebene landen diese Vorgaben häufig in einzelnen Prompts oder werden in jeder Sitzung neu zusammengesucht.
Mit Prokop können Agenten solche wiederkehrenden Zusammenhänge als Erinnerung oder Fähigkeit mitnehmen. Beim Öffnen des nächsten Projekts steht damit bereits eine Orientierung zur Verfügung. Projektspezifische Regeln behalten dennoch Vorrang: Eine gemeinsame Konvention ist hilfreich, darf aber keine abweichende Konfiguration oder neueren Code überstimmen.
Drei Techniken für nützlichen gemeinsamen Kontext
Die Qualität des gespeicherten Wissens entscheidet darüber, ob das Gedächtnis wirklich Zeit spart. Am wertvollsten sind knappe, dauerhafte Aussagen mit einem klaren Anwendungsbereich. „Die öffentlichen Schnittstellen dieser Projektfamilie verwenden dasselbe Fehlerschema“ ist hilfreicher als eine lange Zusammenfassung einer vergangenen Sitzung.
Zweitens sollten Erinnerungen und Fähigkeiten getrennte Aufgaben erfüllen. Eine Erinnerung hält eine Tatsache oder Entscheidung fest. Eine Fähigkeit beschreibt, wie ein Agent bei einer wiederkehrenden Aufgabe vorgehen soll. Diese Trennung verhindert, dass temporäre Projektdetails zu allgemeinen Regeln werden.
Drittens lohnt sich eine bewusste Übergabe zwischen Claude Code und Codex. Statt beide Agenten dieselbe Aufgabe vollständig wiederholen zu lassen, kann der erste die relevanten Zusammenhänge erfassen und der zweite eine klar definierte Änderung bearbeiten. So ergänzt der gemeinsame Kontext die jeweilige Codeanalyse, ohne doppelte Arbeit zum eigentlichen Ziel zu machen.
Lokal ausgeführt und offen einsehbar
Prokop wird als Open-Source-Projekt angeboten und läuft auf dem eigenen Rechner. Das passt zum beschriebenen Einsatz: Der Workspace befindet sich dort, wo auch die lokalen Repositories und die verwendeten Coding-Werkzeuge liegen. Das Projekt kann über sein öffentliches GitHub-Repository eingesehen werden.
Die lokale Ausführung ist zugleich eine klare Abgrenzung zu einem weiteren gehosteten Coding-Dienst. Prokop stellt die Umgebung für Claude Code und Codex bereit; die eigentliche Modellerzeugung bleibt Aufgabe der angebundenen Werkzeuge. Bestehende Zugänge zu Claude Code und Codex werden dadurch nicht zu einem gemeinsamen Modellkonto zusammengeführt.
Für den Umgang mit gespeichertem Wissen empfiehlt sich dieselbe Sorgfalt wie bei anderen lokalen Entwicklungswerkzeugen. Dauerhaft nützlich sind Architekturentscheidungen, Konventionen und allgemeine Techniken. Zugangsdaten, private Schlüssel und andere Geheimnisse gehören weder in Erinnerungen noch in Agentenanweisungen.
Warum die Verbindung praktisch relevant ist
Prokop adressiert einen konkreten Bruch in der Nutzung mehrerer Coding-Agenten: Modelle können am selben Code arbeiten, teilen aber nicht automatisch das Wissen, das in getrennten Sitzungen entstanden ist. Ein gemeinsamer Workspace mit beständigen Erinnerungen und Fähigkeiten macht den Wechsel zwischen Claude Code und Codex zu einer bewussten Auswahl nach Aufgabe statt zu einem vollständigen Neustart.
Der Ansatz ist besonders passend für Entwickler:innen, die beide Werkzeuge bereits verwenden, häufig zwischen Repositories wechseln oder wiederkehrende Vorgehensweisen pflegen. Wer nur eine einzelne, kurze Aufgabe in einem Repository bearbeitet, gewinnt durch ein dauerhaftes Gedächtnis naturgemäß weniger. Mit wachsender Zahl zusammengehöriger Projekte steigt dagegen der Wert von Kontext, der nicht jedes Mal neu formuliert werden muss.
Entscheidend ist damit nicht, welcher Agent pauschal besser ist. Neu ist die gemeinsame Ebene, auf der Claude Code und Codex mit wiederverwendbarem Wissen arbeiten können. Prokop macht aus zwei getrennten Coding-Werkzeugen ein lokales Agenten-Setup, in dem Kontext den Projektwechsel übersteht.
Belegte Produkt- und Quellenpunkte
- Show HN: Prokop – Claude Code and Codex in one workspace, with shared memory: Hacker News Show HN meldet: Show HN: Prokop – Claude Code and Codex in one workspace, with shared memory. Veröffentlichungsdatum: Tue, 13 Oct 2026 14:11:42 +0000. Quelle: https://github.com/prokopai/prokop
